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Rotkäppchen und der böse Wolf (3)

Aktualisiert: 16. Feb.





Die Reise zum Nervensystem

Co-Regulation bedeutet:

Da ist jemand, dessen Präsenz so sicher, ruhig und stabil ist, dass dein Nervensystem sich erlaubt, wieder zu fühlen.


***


Der nächste Ort auf ihrer Reise durch den Zauberwald führte sie zu einem Thema, das oft im Verborgenen wirkt und doch über alles entscheidet: ihr Nervensystem.


Sie wusste nicht, dass dieser Teil des Waldes eine so besondere Kraft hatte. Die Luft war dichter hier, leiser, wacher – als würde jedes Blatt die kleinsten Veränderungen wahrnehmen. Und genau hier blieb sie - Tage, Wochen, schließlich Monate. Nicht, weil sie sich verirrt hatte, sondern weil sie spürte, dass es etwas Grundlegendes zu verstehen gab.


Sie lernte, wie ihr Körper in Momenten der Angst reagiert, warum das Herz schneller schlägt, der Atem stockt, Gedanken rasen – und warum ein Mensch, der lange zu viel getragen hat, irgendwann keinen klaren Weg mehr sieht. Sie erkannte, dass Dysregulation nichts anderes ist als ein innerer Wolf: laut, unberechenbar, furchteinflößend, aber tief im Inneren nur ein Wesen, das Alarm schlägt, wenn etwas zu viel ist.


Sie lernte Tools kennen, die ihr halfen, in ihrem Körper anzukommen statt vor ihm wegzulaufen. Werkzeuge, die ihr zeigten, wie es sich anfühlt, Gefühle zu halten, ohne davon überschwemmt zu werden.

Je mehr sie lernte, desto klarer wurde ihr:


Innere Sicherheit ist kein Luxus.

Innere Sicherheit ist ein Grundbedürfnis.


Sie verstand, wie wichtig es war, in sich selbst einen Ort zu erschaffen, an dem nichts sie erschüttern konnte – einen inneren Raum, der wie eine warme Hütte im Wald ist: mit Licht im Fenster, einer weichen Decke und der Gewissheit, dass sie dort willkommen ist.


Doch der Weg dorthin war nicht immer leicht.

Manchmal überforderte sie alles.

Manchmal kam der Wolf wieder zurück.

Und manchmal musste sie ihre Schritte verlangsamen,

weil sie spürte, dass Heilung keinen Zeitdruck kennt.


Also tat sie etwas, das sie früher nie getan hätte:

Sie zog sich zurück. Aber diesmal bewusst.

Nicht aus Angst, sondern weil sie spürte,

dass dieser Rückzug kein Rückschritt war,

sondern ein Akt der Fürsorge.

Ein Raum, den sie sich selbst schenkte, um weiterzuwachsen, zu verstehen und zu heilen.


Und so saß sie dort, tief im Herzen dieses Waldes, während zwischen den Bäumen Geschichten über Mut, Regulation und innere Stärke geflüstert wurden – Geschichten, die ihr zeigen würden, wie sie den Wolf nicht bekämpfen muss - sondern wie sie ihn zähmen kann.



***



Impulse für dich –

kleine Schritte in Richtung Nervensystem-Regulation







1. Selbstregulation beginnt mit Spüren, nicht mit Technik...

Viele glauben, dass Nervensystem-Regulation etwas ist, das man tut:

eine Atemtechnik, eine Übung, ein bestimmtes Ritual.

Aber der erste wirkliche Schritt ist ein anderer:

Wieder lernen, den eigenen Körper überhaupt wahrzunehmen –

ohne ihn zu bewerten, ohne etwas erzwingen zu müssen.


Oft fällt uns genau das schwer, weil wir nie gelernt haben, in uns selbst sicher zu sein.


Deshalb ist Selbstregulation am Anfang kein „Üben“, sondern eher ein leises Zurückfinden:

Wie fühlt sich mein Körper gerade an?

• Wo spüre ich Spannung – und wo ein bisschen Weite?

• Was passiert, wenn ich einfach nur 20 Sekunden wahrnehme, ohne etwas verändern zu wollen?


Das ist der allererste Schlüssel.

Und er ist kraftvoller, als man denkt.


2. Co-Regulation – jemand, der den Raum für dich hält...

Es gibt Erfahrungen, die wir allein nicht halten können –

nicht, weil wir „schwach“ sind, sondern weil unser Nervensystem nie gelernt hat, es allein zu halten.


Ich kenne das selbst so gut.

In meiner Ausbildung habe ich verstanden, wie heilend es ist, wenn jemand einen Raum schafft,

in dem man sich so sicher fühlt, dass man wieder spüren kann:


Spüren, ohne überflutet zu werden.

Spüren, ohne sich zu verlieren.

Spüren, ohne sich zu schämen.


Co-Regulation bedeutet:

Da ist jemand, dessen Präsenz so sicher, ruhig und stabil ist, dass unser Nervensystem sich erlaubt,

wieder zu fühlen.

Nicht alles auf einmal.

Nicht zu tief.

Nur in genau dem Maß, das sicher ist.


Co-Regulation ist der Moment, in dem dein System plötzlich merkt:

„Ich bin hier richtig.

Ich bin sicher.

Ich darf fühlen.

Ich darf nach innen gehen.“


Und das Verrückte ist:

Erst dann wird Selbstregulation möglich.

Manchmal ist es ein Mensch, der uns diesen Raum hält.

Manchmal ein Tier.

Manchmal ein Ort.

Manchmal ein Blickkontakt, eine Berührung, eine Stimme.

Du musst das nicht allein können.


***


Rotkäppchen dachte, sie habe den Wolf verstanden.

Doch tief in ihr wartete noch eine Wahrheit, die sie bisher nicht auszusprechen wagte.

Eine, die nicht im Wald begann - sondern viel früher.

Und diese Wahrheit wird der Schlüssel zum nächsten Tor.🗝️

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