Zwischen den Welten (9)
Sie begann, Fragen zu stellen.
Unbequeme Fragen.
Und mit jeder Frage verschob sich etwas in ihr.
Wer bin ich wirklich? Und was will ich eigentlich?
Plötzlich lösten sich die Scheuklappen von ihren Augen.
Sie sah die Welt anders. Sich selbst anders.
Und dieser Blick – er ließ sich nicht mehr rückgängig machen.
Sie versuchte, ihrem Weg treu zu bleiben.
Egal wie laut es im Außen wurde.
Egal wie sehr Dinge an ihr zogen, sie verunsicherten, sie infrage stellten.
Und inmitten dieses Drucks geschah etwas, das sie selbst kaum begreifen konnte:
Im tiefsten Schmerz wurde eine Kraft in ihr freigesetzt,
die sie an die Geburt eines Kindes erinnerte.
Sie fiel.
Nicht einmal.
Sondern immer wieder.
Manchmal lag sie mehrere Tage am Boden, ohne jede Kraft.
Und irgendwann hörte sie auf zu kämpfen.
Sie ließ los.
Nicht aus Aufgabe.
Sondern aus Erschöpfung.
Und aus Vertrauen.
Dass der Boden sie tragen würde, auch wenn sie selbst es gerade nicht konnte.
Und genau dort, wo nichts mehr ging, begann etwas Neues in ihr zu atmen.
Eine Kraft. Still. Unaufdringlich. Aber echt.
Und sie stand wieder auf.
Nicht wie vorher. Sondern anders.
Als wäre etwas in ihr neu geboren worden.
Nicht fertig.
Nicht klar.
Aber lebendig.
Und selbst als die Vergangenheit wieder anklopfte,
als alte Stimmen sich meldeten,
als Spiegel ihr wieder vertraute Gesichter von früher zeigten –
blieb etwas in ihr anders.
Sie lief nicht mehr davon.
Aber sie kämpfte auch nicht mehr wie früher.
Sie schaute hin.
Und je lauter die Stimmen im Außen wurden,
desto ruhiger wurde sie in sich.
Nicht weil es leicht war.
Sondern weil etwas in ihr gelernt hatte,
dass sie nicht mehr zurück muss in alte Formen, nur weil sie laut werden.
Und doch war sie noch nicht angekommen.
Das Neue war noch nicht greifbar.
Das Alte zog noch.
Und dazwischen lag sie.
Nicht mehr ganz dort.
Noch nicht hier.
Vielleicht war sie bereits in eine neue Welt hineingeboren worden.
Aber sie kannte noch keine Wege darin.
Keine Regeln.
Keine alten Bilder, an denen sie sich festhalten konnte.
Nur dieses leise, unsichere Dazwischen.
Und so begann ihre Reise nicht neu.
Sondern anders.
Nicht mehr als Kampf gegen das Alte.
Nicht mehr als Suche nach der Lösung.
Sondern als erstes vorsichtiges Gehen
in einer Welt, die noch keine Form hatte.
Zwischen den Welten. 🌿✨




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